Schon lange begleitete mich der Wunsch in die Dolomiten zu reisen. Seit ich das letzte Jahr aktiver bei Instagram geworden bin, hat sich dieser Wunsch noch einmal gesteigert. Überall sieht man diese wunderschönen Bildern von dieser traumhaften und unberührten Landschaft. Diese glasklare Seen in den schönsten Farben und schroffe Bergformationen haben mich einfach in den Bann gezogen. Als feststand, dass unser  Urlaubsziel 2018 Südtirol ist, wurden natürlich gleich Wanderführer bestellt und das Internet durchforstet. Gewisse Ziele hatten wir uns herausgesucht, alles andere wollten wir spontan entscheiden. Meine Vorfreude war groß aber ich wusste auch wir fahren in der wohl stärksten Reisezeit in diese Region. Der Gedanke, dass diese schöne Plätzen vor allem in den Sommermonaten von Touristen überrannt werden, verursachte dann doch ein leichtes mulmiges Gefühl. Doch nur um schon mal so viel vorwegzunehmen, es gibt sie, die andere Seite der Dolomiten, wo die Zeit für einige Momente still zu stehen scheint…..

In der Nacht bevor es in den Urlaub ging wurde, wie immer, sehr wenig geschlafen, da einfach immer wieder die Vorfreude zu groß ist. Zum Glück starteten wir ganz früh. Nach ca. 4 Stunden Fahrt rückten die typischen schroffen Berge der Dolomiten ins Blickfeld und mein Herz begann ganz laut zu pochen. Dass mich diese Berge so sehr berühren hätte ich mir nicht gedacht, da ich ja aus dem Salzkammergut komme und eigentlich mitten in einer wundervollen Bergkulisse wohne. Egal in welche Richtung ich von meinem Zuhause aus blicke, es eröffnet sich mir immer ein neues wunderbares Bergpanorama, doch die Dolomiten fesselten mich auf eine ganz andere Art und Weise.  Und somit war allein die Anreise schon ein kleines Highlight für mich. Unser erster Stop war der Instagram Star Pragser Wildsee. Das Bild, das sich dort zeigte, zeigte sich auch bei den weiteren Ausflugsklassikern von Süd Tirol, wie den Drei Zinnen oder dem Lago die Sorapiss, wieder.

Wir erreichten den See sehr früh, es waren lediglich ein paar andere Fotografen vor Ort. Weit und breit waren keine Menschenmassen zu sehen. Wir entschieden uns noch um den See zu wandern. Und es war gut so – rund um den See gibt es noch zahlreiche wunderbare Plätze, vor allem für Fotomotive hervorragend geeignet. Am anderen Ende des Sees angelangt haben wir uns ein Fleckchen gesucht um zu frühstücken. Und ich begann mein neues Objektiv, das 20mm 1.4 Sigma Art, zu testen. Ich stellte mit Erschrecken fest, dass es einen gewaltigen Fehlfokus hatte. Dem nicht genug nahm die Geräuschkulisse zu und schön langsam häuften sich auch die Menschen. Was uns jedoch erwartete, als wir den Rückweg antraten…konnten wir wirklich nicht glauben. Eine lange Schlange aus Menschen kam uns entgegen. Sie gingen wie aufgefädelt ganz dicht gedrängt hintereinander…die Menschenkette hörte so gut wie nicht mehr auf. Da waren wir nun an einem der schönsten Orte der Erde gefangen in einer Menschenkette. Wir versuchten den restlichen Weg so schnell wie möglich hinter uns zu bringen. Immerhin eine positive Sache konnten wir aus dieser Misere ziehen. Für Yuri war es eine tolle Übung an gefühlten tausenden Hunden vorbeizugehen ohne großes Tamtam.

Ich lebe selbst in einer Tourismusregion, doch solch eine Masse an Menschen war mir wirklich unbekannt, und ich wusste auch, dass ich mit vielen Menschen rechnen musste, doch das habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet.

Nach diesem “Erlebnis” waren wir dann doch leicht verunsichert, was uns bei unseren nächsten Ausflugszielen noch erwarten wird. Um das Beste daraus zu machen, haben wir all unsere Wanderungen für die nächsten Tage ganz früh angesetzt oder sind erst am späten Nachmittag gestartet, um die Abendstunden dort nutzen zu können. Denn wir wollten das magische Morgen- oder Abendlicht an all diesen wunderbaren Plätzen erwischen und die Idylle ohne hunderte Touristen genießen. Aus diesem Grund sind wir meistens um halb 6  oder kurz vor Sonnenuntergang gestartet und waren somit in den meisten Fällen fast ganz allein. Ich konnte wunderbar meine Fotos machen und wir konnten die Magie dieser Landschaft genießen. Welche Gefühle  diese Landschaft in einem auslöst kann man nur schwer in Worte fassen. Diese Berge, diese Seen…sie lassen einem einfach alles rundherum vergessen und geben einen das Gefühl von völliger Freiheit. Doch ich denke mit dem Wort “wahre Sinnesexplosion” lässt sich das Ganze recht gut beschreiben. Unsere Reise in die Dolomiten war gekennzeichnet von hunderten magischen Momenten. Nur der Gedanke an diese Momente bringt mein Herz heute noch zum höher Schlagen und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich sag es euch, es ist schon ein irres Gefühl, vor diesen mächtigen Säulen, fast 3000 Meter hohen Zinnen, zu stehen. Und anstatt, dass man sich klein und unwichtig vorkommt, fühlt man sich stark und kräftig, ein Gefühl das Gänsehaut in mir auslöste. Der Anblick hat mich einfach total berührt. Ich bin für jeden einzelnen Moment, den ich in dieser Landschaft verbringen durfte, dankbar. Aber wisst ihr was ich mich oft frage? Ob der größte Teil der Touristen das genau so empfindet? Ich habe die typischen Touristen nämlich auch sehr gerne beobachtet und hatte dabei immer das Gefühl, sie nehmen die Landschaft gar nicht wirklich war. Es wurde einmal schnell ganz lieblos ein Selfie gemacht dann noch etwas hin und her geguckt und dann widmeten sich viele lieber wieder ihrem Handy. Da passt wohl das Sprichwort ganz gut: “Die Welt gehört dem, der sie genießt.” (Giacomo Leopardi)

Wir haben übrigens im Auto übernachtet. Ich finde es gibt ja nichts über Camping, selbst kochen und einfach mal ganz einfach leben. Übernachten auf Hochebenen unter dichten Tannen, oder dort wonach einem gerade ist, und den Regen auf das Dach tröpfeln hören. Ist ja schon auch ziemlich romantisch und natürlich auch abenteuerlich.

Südtirol ist wirklich sehr hundefreundlich. Unsere Fellnasen waren überall herzlich Willkommen und wurden auch sofort mit Wasser versorgt. Und für jeden Fotograf ist dort der Himmel auf Erden. Fast hinter jeder Weggabelung wartet ein neues tolles Fotomotiv auf einen und selbst nach dem dritten Besuch der Drei Zinnen, habe ich dort immer wieder neue tolle Plätze entdeckt und konnte nicht genug davon bekommen. Kein Wunder, dass meine Festplatte quasi überquillt mit schönen Fotos.

Ich rate jedem diese Region zu besuchen, die Landschaft ist atemberaubend. Man muss diese Berge einfach gesehen haben und man sollte sich nicht durch den doch sehr starken Tourismus davon abhalten lassen. Jedoch sollte man einfach wirklich früh zu den schönen Orten aufbrechen, um das Ganze auch so richtig genießen zu können. Und wenn man nicht gerade die Hotspots wie Pragser Wildsee, Drei Zinnen oder den Lago di Sorapiss besucht, sind hier auch nicht super viele Menschen anzutreffen. Ein weiterer wichtiger Tipp, den ich euch geben möchte ist:  warme Kleidung mitzunehmen. Ich hatte ja den Koffer voll mit kurzen Wanderhosen. Die blieben bis zum Ende unbenutzt. Man darf die Temperaturen in diesen Höhen auch im Sommer nicht unterschätzen. Zudem geht oft ein kühler Wind.

Tja was soll ich sagen ich hab total mein Herz an diese Region verloren. Mein Herz schlägt einfach für das Wandern und für Berge. Dies habe ich wohl von meinem Papa, mit dem ich schon als kleines Kind die Gipfeln erklommen habe. Mit dieser Leidenschaft hat er mir wohl das größte Geschenk für mein Leben mitgegeben.

Die Sehnsucht nach dieser Region war so groß, dass ich ein Monat später noch einmal für ein paar Tage mit einer Freundin dort Urlaub machte. Und auch 2019 werden mich die Dolomiten wieder sehen. Ich kann es kaum erwarten die weiteren unzähligen schönen Plätze zu entdecken.

 

Abschließend noch ein paar Wandertipps von mir:

Plätzwiese und Dürrenstein

Die Plätzwiese ist ein wunderbarer Platz abseits des Massentourismus. Man kann von dort aus wunderbare Wanderungen starten. Zum Beispiel auf den Dürrenstein, die Strudelköpfe oder zur Rossalm. Der Dürrenstein zählt zu einem meiner Highlights unseres Urlaubes. Auf 2800m hat man dann schon noch einmal eine ganz andere Aussicht. Der Rundumblick beim Gipfelkreuz des Dürrensteins ist großartig: Hohe Gaisl, Tofana, Monte Cristallo, Drei Zinnen. Die gesamten Sextner Dolomiten erschlossen sich vor meinen Augen. Man sagt sogar an ganz klaren Tagen kann man von dort  bis zum Meer sehen. Für Hunde ist diese Wanderung auch absolut geeignet. Nur das letzte Stück war für Yuri doch etwas zu ausgesetzt, so ganz schwindelfrei ist er dann wohl doch nicht.

Lago di Sorapiss

Auch wenn man hier wieder mit vielen Menschen rechnen muss, sollte man diese Wanderung auf jeden Fall machen. Der auf 2000m liegende See mit seiner ganz speziellen türkisgrünen-milchigen Farbe zieht einem einfach in seinen Bann. Wir sind schon um halb 6 gestartet und haben den See ca. um halb 8 erreicht. Eine gute Stunde mussten wir den See nur mit 2 – 3 weiteren Menschen teilen. Was will man mehr? Mein Fotografenherz hüpfte nur noch Zick-Zack. Vor allem weil ich mir vor dieser Wanderung einfach den tollen Stress machte. Die Fotografen unter euch kennen diesen “Fotostress” bestimmt. Es war einfach ein riesen großer Wunsch von mir in dieser traumhaften Kulissen auch ein paar richtig tolle Fotos zu machen. Wo alles passt. Doch ich wusste ich hab eigentlich in diesem Urlaub nur diese eine Chance, wir werden den See erst relativ spät erreichen, die Sonne könnte schon zu hoch stehen, oder von der falschen Seite kommen, es könnten viele Menschen dort sein ….. meine Gedanken kreisten am Vortag nur um diese Dinge….und ich stresste mich total. Und dieser ganze Stress war wieder mal umsonst – weit und breit keine Menschen und auch keine Sonne – da meinte es wirklich jemand gut mit mir.

Man kann hier einen wunderbare Rundwanderung machen. Zu beachten ist, dass am “normalen” Weg Nr. 215 zwei doch sehr steile Leitern sind, die nicht für jeden Hund so leicht zu überwinden sind. Auch wir mussten Yuri runter tragen. Zudem würde ich empfehlen den Weg Nr. 215 als Hinweg zu benutzen und den Rückweg über den Weg Nr. 213/216 anzutreten. Die meisten Menschen nutzen den Weg Nr 215, da der Weg über die Forcella Marcoira  doch etwas anspruchsvoller ist. Doch er ist sehr lohnend. Man wird für jede Anstrengung mit tollen Ausblicken belohnt.

Nuvolau & Averau

Die Rundwanderung um den Nuvolau und Averau war eine wirklich beeindruckende Wanderung auf 2000m Höhe. Auch auf dieser Wanderung haben wir nicht viele Menschen getroffen. Nur am Rückweg in der Nähe des Pass Giau begegneten uns dann einige Leute. Als kleinen kulinarischen Tipp kann ich euch nur ein Vanilleeis in der Averau Hütte empfehlen. Das war das beste Eis, das ich je gegessen habe.  Zudem kann man hier die Abendzeit mit einer Rundumbergkulisse besonders gut genießen. Das rot der untergehenden Sonne taucht die schroffen Berge in eine wunderbare Farbe. Dieses Phänomen ist in den Dolomiten schon noch einmal ein ganz besonderes Highlight und wird von den Einheimischen als Enrosadira bezeichnet.

Rundwanderung Paternkofel

Ich finde die Rundwanderung um die 3 Zinnen wunderschön und auf jeden Fall ist sie ein Muss wenn man diese Gegend besucht. Jedoch hat mir die Wanderung um den Paternkofel noch besser gefallen. Zum einen sind weniger Touristen,  zum anderen finde ich es auch landschaftlich noch etwas ansprechender. Man kommt an 2 tollen Seen vorbei, trifft unzählige Murmeltiere und kann auch noch auf eine tollen kleinen Gipfel wandern, welcher einem eine wunderbaren Aussicht auf die Drei Zinnen bietet.

Und hier noch die Bildergalerie zu einer unvergesslichen Zeit in einer der wohl schönsten Region dieser Erde!

Ich konnte mich einfach nicht entscheiden – bitte entschuldigt die Bilderflut 😀